Materia Medica: Anhalonium Lewinii

andere Namen: Peyotl, Peyote, Pellote, Mescal Button, Cactaceae-Echinocactusart, (Lophophora williamsii), Peyotel wörtlich übersetzt bedeutet etwas weißlich Glänzendes, eine weiße Flocke; In jeder Region heißt die Pflanze anders: bei den Kiowa: seni, bei den Comanches: wokowi, bei den Mescaleros: ho, bei den Tarahumari und Huicholen: hikori oder hikuli.

die Pflanze:
stachelloser, saftiger Kaktus, Mexiko; Agave Americana;
Trockene, graubraune, unregelmäßig kreisförmige, etwa 1,5cm hohe, 4cm im Durchmesser haltende und durchschnittlich 0,25g schwere Körper. Sie besitzen spiralig gestellte runzlige Höcker, die je mit einem dichten, weißgelblichen Filzpolster versehen sind.
Die frische Kaktuspflanze wird zur Tinktur verarbeitet (in der Homöopathie),
das Mittelstück des Kaktus wird in Scheiben geschnitten und getrocknet (rituelle Zubereitung in
Mexiko).
Vorkommen:
in den trockenen Hochsteppen des mexikanischen Nordens.

wirksame Bestandteile:
enthält mehrere Alkaloide, von denen Mescalin das bedeutsamste ist. Dieser Hauptbestandteil ist zu 4 - 7 % in der Pflanze enthalten.
Anhalonidin, Anhalonin, Lophophorin, Pellotin, Anhalamin, Bor und dessen Verbindungen.
Anhalonium Lewinii unterscheidet sich von dem ihm botanisch nahestehendem Anhalonium Williamsi durch den Sinnestäuschungen erzeugenden Inhaltsstoff Mescalin.

Mystik:
Maguey - Nationalgetränk der Indios in Mexiko. Es wurde und wird zu Ritualen, Festen und
als Genussgift angewendet.
Aus der frischen Pflanze wird ein berauschendes Getränk mit narkotischer Wirkung hergestellt,
welches zur Erzeugung ekstatischer Zustände eingesetzt wird.
Dem Mescalin wird die Fähigkeit zugeschrieben, die Inhalte des unbewussten Traumlebens und auch des übrigen Unterbewusstseins in das Licht des Bewusstseins zu heben. So wird es in spirituellen Kreisen auch heute noch zu diesem Zweck gebraucht.
Wirkung des Getränks: Zunächst Schwindel, Übelkeit und Lichtscheu mit nervöser Übererregbarkeit, auch Euphorie. Nach etwa zwei Stunden: verdrossene Abgeschlagenheit und Müdigkeit. Danach tritt unmittelbar der Rauschzustand ein: "Man sieht alles plötzlich wie an einem frischen Morgen, in prachtvollen Farben, kristallklar und unwahrscheinlich farbig. Schließt man die Augen, so drehen sich bunte Feuerräder, fließen Ströme farbigen Lichts wie bunte Kaskaden. Funken, klar wie Edelsteine vom reinsten Wasser, scheinen herum zu springen und in der Luft zu schweben. Mitunter hört man eine Musik, so schön, wie Musik nur im Traum sein kann. Bald treten Visionen greifbarer Art auf. Die Versuchsperson spinnt die Erscheinungen und Gestalten, die sie zu sehen vermeint, zu langen Träumen, meist angenehmen Inhalts, zusammen. Nur selten treten schreckhafte und unangenehme Empfindungen auf oder gar Angstgefühle." (Reco: "Magisches Gift")
Hernandez (ein Naturforscher im 18. Jhd.) berichtet, dass diejenigen, die die Wurzel der Pflanze äßen, wahrsagen könnten über feindliche Angriffe oder Zukunftsglück oder über den Verbleib gestohlener Dinge.
In religiösen Schriften finden sich Angaben, die darauf hindeuten, dass die Kirche dem Peyotl zauberhafte Wirkungen durch dämonische Eigenschaften zuschrieb und in der Beichte danach fragen ließ.
Die Pflanze wurden von den IndianerInnen fast göttlich verehrt; in ihr die pflanzliche Inkarnation einer Gottheit erblickt. Ebenso heilig, wie sie von den Eingeborenen gehalten wurde, wurde sie als Teufelswerk von den Missionen verfolgt. Ihr Genuss wurde dem Verbrechen des Kannibalismus an die Seite gesetzt.

frühere Verwendung in der Phytotherapie:
Die Gewinnung des Peyotl geht weit in die Geschichte der Azteken zurück, ohne dass man genau angeben könnte, wann und wo die Zauberkraft dieser Pflanze erstmals entdeckt wurde. Es ist aber bekannt, dass sie primär zu Kulthandlungen benutzt wurde.
Peyotl nimmt Schmerzen, gibt Energie, verringert Hunger- und Durstgefühl. So wird es von der einheimischen Bevölkerung oft zur Unterstützung bei der Überwindung der höchsten Gipfel der Sierra eingesetzt.
In seinem Herkunftsland ist der Peyotl-Kult unter den IndianerInnen und Einheimischen bis auf einige entlegene Gebiete im Norden Mexikos kaum noch lebendig. Der viel leichter zugängliche und billigere Alkohol hat den Rauschkaktus fast völlig verdrängt. LiebhaberInnen dieser Droge werden heute vereinzelt noch in Amerika und Europa, vor allem in Kreisen der Intelligenz, bei KünstlerInnen und SchriftstellerInnen gefunden. Zu den glühendsten Verehrern dieser Droge gehörte der englische Schriftsteller Aldous Huxley. Von ihm stammt auch der Hinweis: "Der Schizophrene gleicht einem dauernd unter dem Einfluss von Mescalin Stehenden und ist daher nicht im Stande, das Erleben seiner Wirklichkeit auszuschalten."
Mescalin zählt zu den Drogen, die eine Art von Modellpsychose erzeugen können.

Verwendung in der Homöopathie:
G. Vithoulkas berichtet im Europäischen Journal für Homöopathie folgendes:
Während einer homöopathischen Behandlung ist es wichtig zu unterscheiden, ob diese Zustände wirklich pathologisch oder die Folge eines bewussten Bemühens um spirituelle Weiterentwicklung sind. Wenn diese Erfahrungen spiritueller Natur und dem Wachstum des/der PatientIn deshalb dienlich sind, werden sie für ihn/sie einen Sinn ergeben und es ermöglichen für bisher ungelöste tiefe Probleme eine Lösung zu erkennen. Solche außersinnlichen Erfahrungen können sich jedoch gefährlich, verwirrend und letztlich als ungeheuer störend für den Menschen auswirken.
In diesem Fall muss man sehr vorsichtig sein und genauer beobachten als viele herkömmliche PsychiaterInnen, die angesichts solcher Phänomene den/die PatientIn mit größter Wahrscheinlichkeit mit einer Diagnose abstempeln und in eine psychiatrische Klinik überweisen würden, wodurch womöglich die Chance auf ein "normales" Leben verspielt wäre.
Anhalonium ist eines der wenigen Arzneimittel, die fast ausschließlich geistig-emotionale Symptome machen. Praktisch alle bekannten Krankheitserscheinungen drehen sich, neben einigen motorischen Koordinationsstörungen, um geistige Phänomene.

Nachfolgend zitiere ich aus der Arzneimittellehre nach Mezger:
Gisevius (Deutsche Zeitschrift für Homöopathie, 1931) hat im Selbstversuch eine auffallende Steigerung der körperlichen und seelischen Kräfte wahrgenommen. Er sieht in Peyotl ein Mittel gegen Angstzustände verschiedener Art, Psychosen mit Angst, bei Suizidversuchen, bei ovariell bedingten Psychosen, bei neurotischen Einzelkindern ("die Kinder blühen auf"). Er handhabt Peyotl gewissermaßen als ein Reaktion- oder Konstitutionsmittel für psychische Störungen öfters auch neben anderen nach der Ähnlichkeit gewählten Mitteln. (Gehirnerschöpfung, Delirium, Migräne, Hysterie, Schlaflosigkeit, Halluzinationen.)
H. Unger gibt folgende therapeutische Indikationen an: Schizothyme Zustände und schizophrene Schübe, besonders mit optischen Halluzinationen und Illusionen.
Erschöpfungszustände und vegetative Ataxie mit Verlust des Antriebes.
Zeitsinnstörungen mit Gedächtnisschwäche und -verlust.
Sehstörungen, stereokopischesSehen, Sehstörungen wie Astigmatismus, Gesichtsfelddefekt, Sehstörungen bei Elektroschweißern, nach Überanstrengung durch Fernsehen (Bildschirm?), Sehstörungen nach operierten Hypophysentumoren.
Kopfschmerzen bedingt durch Störungen des optischen Systems.
Einschlafstörungen infolge optischer Übererregbarkeit, Tiefenschlafstörungen infolge Umkehr des Schlaf-Wachrhythmus.
Phantomgliedschmerzen.
Trigeminusneuralgie
Psychosyndrome; "psychisches Antipsorikum"
Orlowski (Deutsche Zeitschrift für Homöopathie, 1929): "heilte" die Neigung zur Homosexualität und trug damit zur Normalisierung des Geschlechtslebens bei ...

Arzneimittelbild:

Allgemeines:
Abnorme Temperaturempfindungen. Kältegefühl in inneren Blutgefäßen. Mangel an Lebenswärme.Kältegefühl über den ganzen Körper, kalter Schweiß. Trägheit. Gefühl von Hitze. Äußerliches Taubheitsgefühl. Gesteigerte Reflexe. Muskelentspannung. Gefühl von gesteigerter Muskelkraft. Herabsetzung des Schmerzempfindens. Gefühl neben dem eigenen Körper zu stehen. Topographische Selbstwahrnehmung des eigenen Körpers und körperliche Analyse.
Bluthochdruck, Lähmung, Paraplegie.
Schlechter durch Licht, vor allem Sonne, Wetterwechsel Bewegung.
Besser im Liegen, durch Ruhe und Dunkelheit.

Gemüt:
Lebensgrundstimmung: Einsamkeit, Schwermut, Resignation, schroffes Umkippen der Stimmung.
Aufgeregtheit mit vegetativen Krisen. Verlust der Anpassungsfähigkeit. Unsicherheit, Gehemmt sein, grübeln. Flucht aus der Wirklichkeit in die nächtliche Traumwelt. Verzicht auf äußere Werte. Egozentrisch. Besteht auf ZuhörerInnen, die sich seine/ihre Halluzinationen anhören.
Verlust des Daseinshorizontes. Hoffnungslosigkeit. Gefühllosigkeit. Kontaktscheu.
Willenshemmung. Entschlusslosigkeit. Passivität.
Denken: Zerstörung der Denkordnung. Kann nicht abstrahieren. Umgestaltung des Denkens zum Schauen - Hellsehen. Erlebnis des Zerfalls von Zeit und Raum. Behält aber Umweltorientierung.
Beziehungslosigkeit und Selbstentfremdung. Introvertierung. Verschmelzung des reflexiven Selbst mit der gesamten Umwelt (kosmische Mystik). Dabei klares Bewusstsein dieses zwiespältigen Daseins. Bewusstsein existentieller Grenzsituation.

Kopf:
KS mit Sehstörung, Stirn-KS mit Sehstörungen, Trigeminusneuralgie, kongestiver, pulsierender Schmerz. Schwindel. Geistige Erschöpfung. Schmerzen der Haare.

Auge/Sehen:
Objekte werden kleiner wahrgenommen und erscheinen glänzend. Visuelle Halluzinationen. Anhaltende leuchtende Bilder vor geschlossenen Augen. Es ist anstrengend die Augen zu öffnen. Geräusche, Tastempfindungen, Geschmacksempfindungen werden als farbige Bilder wahrgenommen. Doppeltsehen. Gegenstände erscheinen durchsichtig. Helligkeitsschwankungen: Flimmern, Sehen von Funken; Pupillenerweiterung. Auflösung stofflicher Gesamtstruktur und einzelner Bauelemente. Auflösung der Formenwelt

Ohren:
Übertriebener Widerhall der normalen Töne. Das Gehör ist geschärft.

Nase:
Geruchshalluzinationen. Abgestumpfter Geruchssinn.

Mund:
Geschmackssinn: Pelzigkeitsgefühl der Zunge, der Lippen; fader Geschmack;

Gesicht:
Linksseitige Trigeminusneuralgie. Abneigung gegen die geringste Bewegung. Sie bewegen die Lippen und das Kiefer kaum beim Sprechen. Zungenlähmung.

Magen:
Übelkeit schlechter durch Bewegung, besonders durch Hinlegen. Widerwille gegen Nahrungsaufnahme.

Genitalien:
Sex. Verlangen vermindert. Schwaches erotisches Empfinden. Sex. Verlangen v.a. bei Homosexuellen gesteigert.

Schlaf:
Schlaflosigkeit durch Phantasien, durch Gedankenandrang. Visionäre Träume. Schlaf-Wach-Rhythmik gestört. Verschattung des Tagesbewusstseins und wachsende Aufhellung der nächtlichen Unbewusstheit.

Klinik:
Geistige Erschöpfung; Delirium; Halluzinationen; Geistige Schwäche; Visionen; Hysterie; Migräne; Trigeminusneuralgie; Schizophrenie

Beziehungen:
Agaricus muscarius, Glonoinum und Belladonna (Sonnenlicht verschlimmert), Cannabis indica (gestörtes Zeitgefühl, phantastische Bilder), Coca, Gelsemium (Akkommodationslähmung), Opium und Veratrum album (phantastische Ideen und Illusionen) Picricum acidum, Coffea, Platina (Gegenstände erscheinen klein und entfernt), Stramonium, Hyoscyamus (Gegenstände erscheinen zu groß - Cann-i.)

Quellen:
Clarke: Der neue Clarke, Band1, Stefanovic-Verlag
H.Wagner: Rauschgift-Drogen; Springer-Verlag
Prof.Dr.L.Lewin: Phantastica, Volksverlag
K.Lohs/ D.Martinetz: Gift - Magie und Realität, Callwey-Verlag
Europäisches Journal für Klassische Homöopathie, 1.Ausgabe/Frühjahr 1995
Mezger: Arzneimittellehre, Band1, Haug-Verlag

Trancen als Möglichkeit der Arzneimittelforschung
Das Einnehmen von rituellen Körperhaltungen verbunden mit einer intensiven akustischen Stimulation – Trommeln oder Rasseln mit etwa 210 Schlägen pro Minute – hat erlebnismäßig überwältigende Effekte.
Gehirnphysiologisch zeigt sich bei einer Trance eine gewaltige Verschiebung des DC-Potentials (Gleichspannungspotenzial = Direct Current), ähnlich wie beim Einschlafen nur in entgegengesetzte Richtung. Es tritt eine Erhöhung der kortikalen Negativierung um einige tausend Mikrovolt auf.
Diese Potenzialverschiebung, die als Ausdruck eines überaktiven Zustandes zu deuten ist, macht einerseits wacher als wach, andererseits zeigt sie im EEG Schwingungen, die nur aus tiefen Schlafstadien bekannt sind.
Im Gegensatz dazu die Hypnose, die ein tiefenentspannter Wachzustand ist, dessen Besonderheit durch die extrem eingeengte und auf wenige Inhalte ausgerichtete Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist. Das DC-Potential verändert sich nicht signifikant gegenüber dem Wachzustand.
Auch bei der Meditation kommt es zu keinen dramatischen Veränderungen des EEG Wellenmusters.
(Nana Nauwald: Bärenkraft und Jaguarmedizin – Die bewusstseinsöffnenden Techniken der Schamanen; AT Verlag)

Trance-Übung zu Anhalonium
Trancehaltung: die rituelle Körperhaltung der „südmährischen Frau“
Füße parallel, die Beine stehen so dicht es geht nebeneinander, die Knie sind leicht gebeugt. Die Finger der Hände liegen aneinander, die Hände formen leicht gewölbte Schalen. Die Unterarme werden im rechten Winkel zu den Oberarmen gehalten, der gerade gehaltenen Körper kippt leicht nach hinten. Der Kopf liegt im Nacken, der Mund ist leicht geschlossen, Augen geschlossen.
Die Rassel gibt 120 Schläge pro Minute vor. Es wird 15 Minuten gerasselt.

Eindrücke der Teilnehmerinnen:
TN1: konnte die Arme nicht ruhig halten. Gefühl, ihr schnürt’s den Arm ab. B: ausschütteln.
War im Dschungel – oder in Mexiko. Sieht bemalte Leute. Hört Tiere aus dem Dschungel. Sieht lila mit Goldtupfen. Bewegungsdrang beim Stillstehen. Bewegt sich nach dem Rhythmus der Rasseln. Linkes Knie zieht, wie abgeschnürt. Feuchtheiße Hitze.
TN2: schwankt. Konnte nicht gerade stehen. Heiße Hitze. Sieht lila – später rot. Anstrengung anfangs- später legt sich’s – wird ruhig. Angenehmes Gefühl. Verliert Zeitgefühl. Kommt ihr kürzer vor.
TN3: musste auch schwanken, wie bei Seegang. Gefühl, sie fällt. Warme Handflächen. Druck in Schultern und Nacken. Sieht weiße Schäfchenwolken. Arbeitet gegen den Rhythmus an. Will die Kontrolle behalten. Atmet ganz normal. Will in ihrem Tempo bleiben.
TN4: Assoziation zu Folter. Atmosphäre von Folter. Nicht sie wird gefoltert. Verliert den Faden. Schlangen sind da. Hitze. Im Kopf heiß, Oberkörper war heiß. Energiegeladen. Becken und Beine nicht heiß. Gefühl, es sind Flammen auf den Händen. Wie lange es wohl noch dauert ? Zeit kam ihr kurz vor. Stechen in der rechten Brust meldet sich (altes Symptom). Gefühl, die Ohren funktionieren nicht. Wird B beim zuhören der Rassel.
TN5: tut sich schwer. Handflächen ganz heiß. Hitze im Becken – mit Sexualität verbunden. Trommeln wirken beckenanregend. Atmung wird schneller. Später wieder normal. Zeit vergeht total schnell. Weiß nicht, was passiert ist. Sieht lila Zickzacklinie. Nacken und Rücken schmerzen. Tut sich schwer, beim Mittel zu bleiben. Denkt an Gutschi, wie’s ihr wohl beim Rasseln geht.
TN6: Angst, die Kontrolle zu verlieren beim Rasseln. Sieht geometrische Muster. Perspektive verändert sich. Übelkeitsgefühl. Schwindel, wie betrunken. Feuchtheiße Hände.

Vortrag und Wahrnehmungsübung beim Nürnberger Frauenhomöopathie-AK